20.01.2020

Digitalisierungsoffensive des Bundes: Uni Salzburg punktet mit innovativen Projekten

Zwei Projekte werden gefördert: „On Track" unter der Leitung der Psychologin Eva Jonas und „Austrian Neuro Cloud“ von Professor Florian Hutzler. An sieben weiteren Projekten ist die Uni Salzburg Partner.

Ein weiterer Schritt in das Digitalisierungszeitalter: Bundesminister Heinz Fassmann (BMBWF) präsentierte am 20.1.20 in Wien die Ergebnisse der Ausschreibung „Digitale und soziale Transformation in der Hochschulbildung". Insgesamt gehen 50 Millionen Euro für Digitalisierungsprojekte an österreichische Universitäten.

Die Universität Salzburg erhielt den Zuschlag für zwei Projekte: „On Track – Aktiv Studieren durch die Verknüpfung Sozialer und Digitaler Welten“, unter der Leitung der Psychologin Eva Jonas und „Austrian Neuro Cloud“, eine Open Science Initiative des kognitiven Neurowissenschaftlers Florian Hutzler. An sieben weiteren prämierten Digitalisierungsprojekten ist die Universität Salzburg als Kooperationspartner beteiligt.  

On Track – Aktiv Studieren durch die Verknüpfung sozialer und digitaler Welten

Geringe soziale Kontakte und wenig Unterstützung beim Studium führen oftmals zu Studieninaktivität. Mut- und Lustlosigkeit macht sich breit, Studierende isolieren sich immer stärker. „Junge Menschen, die sich in so einer Negativspirale befinden brechen ihr Studium nicht selten frühzeitig ab. Sie fühlen sich nicht gut genug und zweifeln daran, ob sie ihr Studium jemals schaffen können“, sagt die Psychologin Eva Jonas von der Universität Salzburg.

Inaktivität, Studienverzögerungen oder gar Abbruch können viele Ursachen haben. Ein Grund könne sein, dass sich Studierende in ihrem Studium nicht wohl fühlen, so Jonas. Das treffe in besonderem Maß auf jene zu, die sich nicht mit der akademischen Welt identifizieren könnten. „Wer im Freundeskreis oder in der Familie Vorbilder hat oder weiß, dass er jemanden fragen kann, wenn es Probleme gibt, tut sich wesentlich leichter als jemand, der keinen Ansprechpartner für seine Probleme hat“.

Mit dem Projekt On Track will die Wissenschaftlerin die Zugehörigkeit zum Studium und auch die Identifikation damit stärken, indem der soziale Kontakt zwischen Studierenden unterstützt und der Austausch mit Rollenmodellen gefördert wird. „Wir wollen unsere Studierenden motivieren auf dem Weg, also „on track“ zu bleiben“.

Im Rahmen eines spezifisch auf das eigene Studienfach zugeschnittenen Mentoringprojekts werden digitale Tools eingesetzt und weiterentwickelt, um die Studierenden gezielt zu begleiten. Durch den Einsatz digitaler Techniken erhalten sie die Möglichkeit, sich besser zu vernetzen und so Unterstützung zu bekommen.

„Wir wollen eine Community Network Plattform schaffen“. Das hilft ihnen nicht nur in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung, sondern erhöht auch ihre Chance auf Studienerfolg. Jonas setzt mit ihrem Team fort, was sie schon seit 10 Jahren betreibt:  Studierende durch das Studium zu begleiten und hierzu immer wieder aus der Grundlagenforschung heraus Unterstützung für die Praxis zu entwickeln. Nun soll diese Begleitung und Hilfestellung im Rahmen des Projekts On track ausgeweitet werden. Und zwar für die Fächer Rechtswissenschaften, Recht und Wirtschaft, Pädagogik und Lehramt.  

„Dabei schauen wir uns beispielsweise an, welche Lehrveranstaltungen am schwersten zu bewältigen sind“. Diese Lehrveranstaltungen werden digitalisiert, wodurch Studierende die Möglichkeit haben, sich die Inhalte in Ruhe durchzusehen. Unterstützt sollen die digitalisierten Lehrveranstaltungen durch Onlinetrainings oder Seminare werden, um Arbeitstechniken zu erlernen und ihr Selbstmanagement zu verbessern.

Weiters planen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Coachings für die Vorbereitung von Klausuren oder auch zur Organisation des Studienalltags einzuführen. Im Masterstudium Psychologie ausgebildete Karrierecoaches sollen Studierenden helfen, ihr Zeitmanagement zu verbessern und ihre Motivation zu erhöhen, und unterstützen darüber hinaus bei der Erstellung von Lernplänen. „Mit dem Lerncoaching, das wir bereits bei vielen Studierenden angewandt haben, konnten wir erstaunliche Erfolge verzeichnen“, sagt Jonas. Manche schafften plötzlich wesentlich mehr Prüfungen und bekamen auch noch gute Noten.

Ziel der Initiative ist die bessere soziale Vernetzung der Studierenden und Unterstützung in schwierigen Studienabschnitten mit dem langfristigen Ziel einer besseren Identifikation mit dem eigenen Studium und der Universität. „Der soziale Aspekt ist uns genauso wichtig wie der digitale. Denn erst wenn echte soziale Kontakte stattfinden, können digitale Tools wirklich wirksam werden, um den Lernprozess nachhaltig zu verbessern und Studierende beim Umgang mit Misserfolgen und Rückschlägen zu unterstützen“.

Die Community Network Plattform soll  Studienanfängern den Studieneinstieg erleichtern und Höhersemestrige bekommen als Mentorinnen und Mentoren die Möglichkeit Verantwortung zu übernehmen und entsprechende Unterstützung zu leisten. Sie selbst erhalten eine eigene Mentoringausbildung sowie eine Supervision. Verschiedene Mentoring-, Coaching- und Trainingsprogramme stellen sicher, dass Studierende während ihres gesamten Studiums optimal begleitet werden.

„Wir zielen mit unserem Projekt aber nicht auf Selbstoptimierung, sondern möchten Studierende unterstützen, ihr Studium mit positiver Motivation zu meistern, dabei Spaß am Studium zu haben und sich von Schwierigkeiten oder Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen“.

Universitätsprofessorin Eva Jonas vom Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg wird für ihr Projekt mit 900.000,- Euro unterstützt. Die Mittel werden in erster Linie für wissenschaftliches Personal verwendet, das in Salzburg angesiedelt ist. Bei erfolgreichem Abschluss des Projektes kann es flächendeckend bei allen österreichischen Universitäten eingeführt werden.

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Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Eva Jonas, Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg, Hellbrunnerstraße 34/II, 5020 Salzburg, Tel.: +43 662 8044 5132, E-Mail: eva.jonas(at)sbg.ac.at

Eine Dateninfrastruktur der Extraklasse - Austrian NeuroCloud

„Mit der Austrian NeuroCloud soll eine vertrauenswürdige Umgebung geschaffen werden, in der riesige Mengen an Gehirndaten gespeichert, verwaltet und weiterverarbeitet werden“, sagt Universitätsprofessor Florian Hutzler vom Centre for Cognitive Neuroscience der Universität Salzburg. 

Die NeuroCloud ist österreichweit für die kognitiven Neurowissenschaften angedacht und könnte als Musterbeispiel für die noch viel größere European Open Science Cloud herangezogen werden, die im Rahmen der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft (2018) angestoßen wurde. Bei dieser sollen europaweit Forschungsdaten für die Wissenschaft aufbereitet und frei zugänglich gemacht werden.

Voraussetzung für die Austrian NeuroCloud ist eine entsprechende Großgeräte-Infrastruktur und ein hoher Publikationsoutput. Österreich verfügt im Bereich der kognitiven Neurowissenschaften über beides. „Sowohl die Großgeräte-Infrastruktur als auch der wissenschaftliche Output sind international konkurrenzfähig und durch eine österreichweite Vernetzung könnte dieses Potential voll ausgeschöpft werden“, so Hutzler.

Salzburg habe bei den Großgeräten sogar ein österreichweites Alleinstellungsmerkmal, denn mit dem Magnetenzephalographen, der vor zwei Jahren mit Fördermitteln des Bundes installiert wurde und dem Kernspintomographen sei die Universität Salzburg top ausgestattet. Mit dieser Ausstattung könne man auch international sehr gut mithalten.

Daten und Forschungsergebnisse der kognitiven Neurowissenschaften, die Forschungsteams bislang in lokalen Datenspeichern verortet haben, will Hutzler nun österreichweit zusammenführen. Um die Austrian NeuroCloud als standardisiertes und cloud-basiertes System einzuführen, müssen jedoch noch einige Grundvoraussetzungen geschaffen werden. Es muss zunächst der Datenschutz, -sicherheit und -autonomie gewährleistet sein.

„Um uns von US-amerikanischen Prototypen abzugrenzen, die den Datenschutz nicht mehr wie gefordert sicherstellen können, müssen wir eine durchgängige DSGVO-Konformität gewährleisten und könnten damit ein besonderes Sicherheitsmerkmal bieten“. Damit die Daten überhaupt verwendbar sind, muss außerdem ein stringentes kognitives Klassifikationssystem geschaffen und in der Cloud implementiert werden. Ein wichtiges Ziel ist darüber hinaus, dass die Daten institutionalisiert werden. Nur so kann eine regelmäßige Betreuung und Weiterführung mit klaren Vereinbarungen, wie einer Regelung des Zugangs, garantiert werden.

„Das ist die Zukunft der Forschung, denn die Verarbeitung von Daten wird immer mehr in cloudbasierten Systemen ablaufen“, so Hutzler. Für die Forscher handelt es sich daher um eine systemrelevante Ressource, ohne die die Wissenschaft nicht mehr wird stattfinden können. Gemeinsame Standards für Datenspeicherung und -analyse werden die Kooperation zwischen den einzelnen Standorten erheblich stärken und Türen für zukünftige Forschungsstandorte öffnen, wodurch deren Forschungsinfrastruktur universitätsübergreifend nutzbar gemacht wird.

Das Centre for Cognitive Neuroscience unter der Leitung von Universitätsprofessor Florian Hutzler erhält 1,2 Mio Euro aus den Fördermitteln des Bundes. Die Gelder fließen in erster Linie in Personalstellen, die an der Universität Salzburg und den Kooperationspartnern, und zwar dem Universitätsklinikum für Neurologie und den Universitäten Graz und Innsbruck angesiedelt werden.

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Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Florian Hutzler, Centre for Cognitive Neuroscience der Universität Salzburg, Hellbrunnerstraße 34/II, 5020 Salzburg, Tel.: +43 662 8044 5114, E-Mail: florian.hutzler(at)sbg.ac.at, Informationen: https://www.bmbwf.gv.at/Digitalisierung     

 

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