08.10.2020

DIE WIRTSCHAFTLICHEN FOLGEN EINES WEITEREN LOCKDOWNS

Die Covid-19 Infektionszahlen sind in Österreich inzwischen auf bedenklich hohem Niveau.

Neben den offensichtlichen, negativen gesundheitlichen Konsequenzen birgt diese Entwicklung auch ein großes Risiko für die heimische Wirtschaft im Zusammenhang mit der Notwendigkeit eines weiteren umfassenden Lockdowns, wie wir in diesem Artikel auf Basis einiger Berechnungen argumentieren.

Die Ergebnisse deuten auf die Notwendigkeit verstärkter präventiver Maßnahmen auf öffentlicher Seite und verantwortungsbewussten Handelns auf der individuellen Ebene hin. Hiermit sollen die ökonomischen Risiken eines weiteren, breitflächigen Ausbruchs des Virus, der im Hinblick auf die Gesundheit der Bevölkerung zwangsläufig zu weitgreifenden Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens im Kontext eines umfassenden Lockdowns führt, minimiert werden.

Um Aussagen über die Auswirkungen eines zweiten Lockdowns treffen zu können, verwenden wir ein dynamisches Zeitreihenmodell. In diesem Modell setzen wir wöchentliche Zeitreihen für einen Social Distancing-Index als Maß für die Lockdown-Maßnahmen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Beziehung. Diese Art der Modellierung ermöglicht es, einen angenommenen Pfad für den Social Distancing Indikator vorzugeben, und die Auswirkungen dieses hypothetischen Szenarios auf die Wirtschaftsleistung im Herbst 2020 abzuschätzen.

Wir konstruieren hierfür zwei Szenarien: das erste Szenario nimmt eine Entwicklung des Social Distancing-Index an, die dem ersten Lockdown im März 2020 entspricht. Dieses Szenario kann demnach als ein weitreichender Einschnitt gesehen werden. Das zweite Szenario skizziert moderate Maßnahmen im Herbst 2020, die im weiteren Verlauf leicht abflachen.

Szenario eines weitreichenden Lockdowns im Herbst: Erneuter BIP-Einbruch um -7 Prozent

Unsere Schätzungen zeigen, dass das erste Szenario (ein weitreichender Lockdown) zu einem erneuten, schweren und persistenten Einbruch des BIP führt (von rund -7 Prozent). Das Niveau vor der Einführung der hypothetischen Maßnahmen wird bis zum Ende des prognostizierten Horizonts nicht wieder erreicht. Ein solches Szenario sollte aus wirtschaftspolitischer Sicht in jedem Fall vermieden werden, da derartige Einbrüche der wirtschaftlichen Aktivität zudem schwerwiegende negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. In weiterer Folge würde das Preisniveau negativ beeinflusst werden, was in Anbetracht des bereits limitierten Rahmens der Möglichkeiten der Geldpolitik für Zentralbanken eine ernstzunehmende Abwärtsspirale darstellt.

Das zweite, moderate Szenario (ein um etwa ein Drittel abgeschwächter Lockdown) führt zu einem weniger abrupten Einbruch der Wirtschaftsleistung (–3.5 Prozent zum Höhepunkt dieses Lockdowns), und kehrt nach zwei Monaten beinahe wieder zum Ausgangswert vor der Einführung des hypothetischen Lockdowns zurück. Bei diesem Szenario ist mit einer vergleichsweisen stabileren Entwicklung des BIP zu rechnen.

Da diese Analyse einige Herausforderung für die statistische Modellierung mit sich bringt, ist zu betonen, dass unsere Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Ein zentrales Problem stellt die hochfrequente Messung der Wirtschaftsleistung dar, denn das BIP wird meist nur mit einer Zeitverzögerung monatlich oder auf Quartalsebene veröffentlicht. In Folge interpolieren wir fehlende Datenpunkte zwischen zwei Quartalen anhand von täglich oder wöchentlich verfügbaren Indikatoren mit neusten statistischen Methoden, um akkuratere Aussagen auf wöchentlicher Basis treffen zu können.

_________________________

Niko Hauzenberger (*1991 in Linz) ist Post-Doc Forscher an der Universität Salzburg. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Analyse makroökonomischer Zeitreihen mit einem Fokus auf Prognosemodelle.

Michael Pfarrhofer (*1993 in Linz) ist Post-Doc Forscher an der Universität Salzburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Bayesianische Ökonometrie im Kontext der Makroökonomie und Finanzwirtschaft, sowie Geldpolitik, Konjunkturzyklen und Prognosen.

  • ENGLISH English
  • News
    Buchneuerscheinung der MINT und Medien Didaktik der Universität Salzburg beim Waxmann Verlag.
    HOFER Praxisworkshop am 17.12.2020
    Der EPU Projekt Call 2020 ist ab sofort geöffnet! Einreichtermin ist der 17. November 2020 (12:00 Uhr).
    mit Jun.-Prof. Dr. Matthias Niedenführ, MA (Universität Tübingen) am 20. Oktober 2020 um 18:00 Uhr in der Bibliotheksaula.
    Am Dienstag, 13. Oktober, starten die Vorträge der Ring-Vorlesung „Ungleichheiten reduzieren – Sustainable Development Goal 10 im Fokus“ an der Abteilung Soziologie und Kulturwissenschaften mit vielen spannenden Gästen.
    Der Fachbereich Slawistik lädt zusammen mit dem Kulturzentrum DAS KINO und dem Russlandzentrum zur fünften Kinoreihe mit ost- und mittelosteuropäischen Filmen ein. Im Rahmen des Filmklubs „Slawistyka, Slavistika, Cлавистика“ werden preisgekrönte aktuelle polnische, russische und tschechische Filme mit gesellschaftlicher und politischer Thematik gezeigt.
    In Kooperation mit dem œnm.
    Citizen-Science-Fotos posten und gewinnen!
    Ein neu erschienener Herausgeberband diskutiert Migration im Kontext von Bildung als innerwissenschaftliche sowie als außerwissenschaftliche Problemstellung. Die Publikation versammelt Beiträge aus der jährlich stattfindende Vortragsreihe „Erziehungswissenschaftliche Migrationsforschung in vergleichender Perspektive“.
    Salzburger Armenien-Expertin Dum-Tragut berichtet aus Jerewan und wendet sich mit Hilfsappell auch an Bundespräsident Van der Bellen und Bundeskanzler Kurz.
    DI 13. Oktober 2020, 19:30 Uhr, Atelier im KunstQuartier, Bergstr. 12a, Salzburg. Die Reihe SWEET SPOT versteht sich als Forum klassischer und ganz neuer Produktionen Elektroakustischer Musik in Salzburg. Es werden Stücke des Genres gehört und miteinander diskutiert. Begleitet wird jedes Konzert mit einer kurzen Einführung und der Möglichkeit, sich iüber das Gehörte auszutauschen.
    Mi 20. Oktober 2020, 18:00-19:00, Atelier im KunstQuartier, Bergstraße 12, 5020 Salzburg - Zugangsdaten: Webinar (Webex Meeting): https://globalpage-prod.webex.com/join - Meeting number (access code): 137 220 1546 - Meeting password: WPg2Dwq4X4b
    Bis zum 31. Oktober ist die Bewerbung auf zwei Dissertationspreise (dotiert mit jeweils 2.000 Euro) möglich:
    Frequently Asked Questions (FAQ) zum Corona-Semester
  • Veranstaltungen
  • 21.10.20 Gesundheitsfördernde Effekte von Musikhören – Die Rolle des psychobiologischen Stressystems
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Impressum
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg