08.05.2017

Book Presentation: Science Looks Beyond the Boundaries of Migration

To simply stifle migration as a problem falls short - it will aggravate existing inequalities and blind the real power conditions.

Nicht die Zuwanderung ist schuld an Niedriglöhnen, steigender Arbeitslosigkeit oder sozialen Abstiegsängsten. Schuld haben die politischen Rahmenbedingungen, die eine Spaltung der Gesellschaft vorantreiben. So das Fazit des Buches „Migration und die Macht der Forschung“, das gestern am 4. Mai 2017 in Kooperation zwischen AK, ÖGB und Uni Salzburg vorgestellt wurde.      

Migration ist so alt wie die Menschheit selbst

Die Vizerektorin der Universität Salzburg, Sylvia Hahn, die selbst einen Beitrag in dieser Publikation verfasst hat, erinnert an den historischen Kontext der Migrationsthematik: „Obwohl wir mittlerweile wissen, dass Migration eine lange Geschichte hat, wird Zuwanderung in der öffentlichen, aber auch politischen Diskussion zumeist als aktuelles Phänomen wahrgenommen. Die Betrachtung und Analyse von Wanderbewegungen in einer historischen Langzeitperspektive, um beispielsweise Kontinuitäten und Diskontinuitäten wahrzunehmen und aufzuzeigen, wird nur selten ins Auge gefasst und in den politischen Diskurs einbezogen.“  

Hahn gibt zu bedenken, dass allein das quantitative Ausmaß an Flüchtlingen und Kriegsgefangenen auf dem Gebiet des heutigen Österreich sowohl im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg ein Vielfaches der Flüchtlinge, die 2015/16 nach Österreich gekommen sind, betrug. Die großen Flüchtlingsbewegungen der beiden Weltkriege mit ihren zahlreichen über das heutige Österreich verstreuten Flüchtlings- und Kriegsgefangenenlagern, aus denen nach Kriegsende nicht selten neue Stadtviertel und Ortschaften entstanden, werden im heutigen Diskurs, wenn es um Integration oder Ausgrenzung geht, kaum beachtet und elegant beiseitegeschoben.  

„Die Wissenschaft leistet einen wertvollen Beitrag, damit beim Thema Migration gesicherte Fakten auf den Tisch kommen und nicht billiger Populismus die öffentliche Diskussion beherrscht“, sagte Cornelia Schmidjell, Leiterin der AK-Sozialpolitik. 

Beim Thema Migration beherrschen allzu oft Stammtisch-Polemiken und Populismus die politische, aber auch die öffentliche Diskussion. Eine Spaltung der Gesellschaft droht. Um dem entgegenzuwirken, boten gestern, am 4. Mai 2017, Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und Universität Salzburg den AK Wien-Mitarbeitern Lena Karasz und Josef Wallner die Möglichkeit, ihr neu erschienenes Buch „Migration und die Macht der Forschung“ zu präsentieren. Fazit der Autoren: In der Debatte rund um das Thema Zuwanderung werden zahlreiche wichtige Aspekte wie etwa Chancen, die die Migration für die Gesellschaft bedeuten, außer Acht gelassen. Und die Tatsache, dass Migrantinnen und Migranten in vielen Bereichen ohnehin benachteiligt sind, wird ebenfalls gerne ausgeblendet.

Warum dieses Buch für Arbeiterkammer und Gewerkschaften eine wichtige Rolle in der aktuellen Diskussion spielt, erklärt AK Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Siegfried Pichler so: „Es zeigt, dass eine bessere Gesellschaft mit mehr sozialer Gerechtigkeit machbar ist. Und genau dafür stehen Arbeiterkammer und Gewerkschaften: Soziale Gerechtigkeit für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich - egal welcher Herkunft.“  

„Für die Arbeiterkammer Salzburg sind faire Arbeits- und Lebensbedingungen essenziell. Diese können in der Gesellschaft nur gesichert und weiterentwickelt werden, wenn es fundiertes Wissen über den Bedarf und die Lebensbedingungen sozialer Gruppen gibt – und dabei helfen Wissenschaft und Forschung“, ergänzt Cornelia Schmidjell, Leiterin der Sozialpolitischen Abteilung in der AK Salzburg.

Ak fordert: Umgang mit Migration kritisch analysieren

Schmidjell: „Die AK und damit auch ihre Mitglieder sind ein Spiegel der Gesellschaft. Wenn bis zu 30 Prozent der Bevölkerung Migrationshintergrund haben, dann heißt das natürlich auch, dass diese Menschen bei uns in der Dienstleistung Beratung und Unterstützung suchen und dass wir interessenspolitisch auf sie achten müssen.“

Und das ist bitter notwendig: Denn als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erleben sie im Vergleich zu in Österreich Geborenen vielfach Benachteiligungen wie etwa höhere Arbeitslosigkeit oder viel mehr Beschäftigung unter ihrem Qualifikationsniveau. Außerdem werden Migrantinnen und Migranten oft auch dafür benutzt, um Löhne zu drücken oder als  gut qualifizierte Arbeitskräfte zu unterkollektivvertraglichen Bedingungen eingesetzt zu werden. Für die Arbeiterkammer ist daher wichtig, unter welchen Rahmenbedingungen migrantische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten und leben - damit es faire Bedingungen für alle gibt.

„Die Weiterentwicklung der sozialen Gerechtigkeit in einer sich stets wandelnden Gesellschaft ist nur möglich, wenn die Entscheidungsträger gesichertes Wissen haben. Dazu kann die kritische Migrationsforschung wesentlich beitragen. Denn wir wollen nicht, dass Ressentiments und Vorurteile das gesellschaftliche Klima prägen und letztlich auch zunehmende soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft vorantreiben“, stellt Cornelia Schmidjell klar.

Bildbeschreibung (v. l. n. r.): Mag. Cornelia Schmidjell (AK-Abteilungsleiterin Sozialpolitik), Dr. Ursula Schachl-Raber (Leiterin der Universitätsbibliothek Salzburg), Univ-Prof Wassilios Baros (Institut für Erziehungswissenschaften Salzburg), Vizerektorin Univ. Prof Sylvia Hahn (Uni Salzburg), Mag. Lena Karasz (AK Wien) und Dr. Josef Wallner (Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt der AK Wien).

 

Mag. G. Pfeifer

PR-Leitung

Universität Salzburg

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    To simply stifle migration as a problem falls short - it will aggravate existing inequalities and blind the real power conditions.
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