29.08.2017

Neuartige Helferzellen lassen auf Therapie für Schmetterlingskinder hoffen

Amerikanische Forscher des Benaroya Research Institute in Seattle (USA) identifizierten vor kurzem eine spezielle Immunzell-Art im menschlichen Blut. Immunologen der Universität Salzburg unter der Leitung der Biologin Dr. Iris Gratz entdeckten und untersuchten diese spezielle Helfer-T-Zell-Population nun auch in der Haut.

Die Salzburger Immunologen sind weltweit die ersten, die sich mit dieser Helferzelle und ihrer Rolle in der Haut beschäftigen. Ein gemeinsames, vom National Institute of Health (NIH, USA) hoch dotiertes Forschungsprojekt, lässt auf neue Therapiemöglichkeiten für Schmetterlingskinder hoffen. Aber auch Patienten mit anderen chronischen Wunden sollen von dieser wegweisenden Entdeckung profitieren.

Ihre Haut ist so verletzlich wie der Flügel eines Schmetterlings. Von Epidermolysis bullosa (EB) Betroffene sind daher auch als „Schmetterlingskinder“ bekannt geworden. EB ist eine seltene, angeborene, folgenschwere und derzeit noch nicht heilbare Hauterkrankung. Die Haut dieser Menschen bildet leicht Blasen, entstehende Wunden verheilen zum Teil sehr schlecht. In Österreich leben rund 250.000 Menschen mit schlecht oder gar nicht verheilenden Wunden. Diese beeinträchtigen die Lebensqualität enorm.

Die Ursachen für Wunden sind vielfältig, erläutert Dr. Iris Gratz, Fachbereich Molekulare Biologie der Universität Salzburg: „Wunden können durch genetisch bedingte Krankheiten, wie bei den Schmetterlingskindern, entstehen; aber auch die Konsequenz von Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen wie z.B. bei Diabetes oder einer fehlgeleiteten Immunreaktion sein.“

Die Salzburger Immunologen haben nun entdeckt, dass in der Haut eine spezielle T-Helferzelle vermehrt vorkommt. „Wir gehen davon aus, dass sie auf den Heilungsprozess großen Einfluss hat“, sagt Gratz. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden wie diese T-Helferzelle genau funktioniert und welche Funktion sie bei der Wundheilung ausübt. Denn erst wenn Hautzellen SOS-Signale senden, werden Immunzellen aktiviert und die T-Helferzelle tritt in Aktion. „Diesen Kommunikations- und Signalwegen wollen wir nachgehen“, informiert Gratz.

„Denn auch die T-Helferzelle sendet Signale und Botenstoffe an das Hautgewebe zurück, während sie gleichzeitig erste Schritte zur Wundheilung einleitet.“ Die Biologin arbeitet mit dem von DEBRA Austria durch Spendengelder finanzierten EB-Haus Austria an der Universitätsklinik für Dermatologie in Salzburg zusammen und nimmt an klinischen Studien teil. Der Einsatz der T-Helferzelle könnte dazu führen, Wundheilungsprozesse zu beschleunigen und chronische Wunden zu schließen.

Langfristig sollen die Forschungsergebnisse therapeutisch eingesetzt werden. Wie etwa bei den Schmetterlingskindern. Dr. Rainer Riedl, DEBRA Austria Obmann und selbst Vater einer von EB-betroffenen Tochter freut sich: „Die Finanzierung des gemeinsamen Forschungsprojektes durch Mittel des National Institute of Health, dem größten staatlichen Fördergebers der USA, ist für das Projekt eine ganz besondere Auszeichnung. Die EB-Forschung ist nun sozusagen in der Champions League angekommen.“

Von der internationalen Vernetzung erhofft er sich weitere Fortschritte um das Leid der Betroffenen in absehbarer Zeit lindern zu können. Gratz dazu: „Bei dieser Patientengruppe laufen sehr viele Wundheilungsprozesse. Hier unterstützend beizutragen, wäre natürlich großartig. Wir denken aber auch an chronisch kranke Menschen, deren Wunden sich nicht mehr schließen, beispielsweise bei chronischen Wunden von zuckerkranken Menschen oder Wundliege-Geschwüre“.

Das National Institute of Health (NIH) ist der größte staatliche Fördergeber in den USA. Ca. 40 % der gesamten amerikanischen Forschung wird vom NIH unterstützt. Den Förderantrag für ihr Projekt stellte Gratz gemeinsam mit dem amerikanischen Partner Dr. Daniel Campbell vom Benaroya Research Institute in Seattle. Eines der renommiertesten medizinischen Forschungsinstitute in den USA. Das Zusammenführen der Expertisen beider Forschungsgruppen überzeugte die Fördergeber und der Antrag wurde vollinhaltlich genehmigt. „Wir kamen unter die besten 8% aller eingereichten Projekte.“ Von den insgesamt 2,5 Mio. Dollar gehen 740.000,- an die Salzburger Forschergruppe für einen Zeitraum von 5 Jahren.

„Für das Geld werden wir zwei WissenschaftlerInnen anstellen, einen Postdoc und einen studentischen Mitarbeiter“, sagt Gratz. Mit Hilfe von Hautzellkulturen, die im Labor hergestellt werden und Experimenten mit humaner Haut am Mausmodell, wird überprüft welche Wirkung die T-Helferzelle auf die Wundheilung hat. Auch die Rolle von Immunzellen im Hautkrebsgeschehen in Zusammenarbeit mit dem Cancer Cluster Salzburg wird untersucht. „Das Immunsystem gibt viele Rätsel auf“, sagt Gratz. Während es bei Autoimmunerkrankungen überreagiert, sind bei Hautkrebserkrankungen zu wenig Reaktionen.

Die gebürtige Oberösterreicherin Iris Gratz studierte in Salzburg Biologie. Wie bereits in ihrer Diplomarbeit, beschäftigte sie sich auch in ihrer Dissertation, die sie ebenfalls an der Universität Salzburg verfasste, mit dem Immunsystem. Danach war Gratz im EB-Haus Austria an der Universitätsklinik für Dermatologie Salzburg in der Forschung für „Schmetterlingskinder“ beschäftigt. Schon früh sammelte Gratz Auslandserfahrungen: Zunächst ging sie nach Irland und war dort in einem Industrieunternehmen beschäftigt.

Später erhielt sie ein Erwin Schrödinger Stipendium und verbrachte insgesamt fünf Jahre an der University of San Francisco, zwei davon als Assistent Adjunct Professor. Seit dem Jahr 2014 ist sie wieder an der Universität Salzburg tätig. „Einmal pro Woche arbeite ich im Krankenhaus“, sagt Gratz. Die Verbindung der wissenschaftlichen Forschung an der Universität und der Praxis im Krankenhaus macht für sie das ideale Arbeitsumfeld aus.

Fotonachweis: Kolarik
Das Foto wird den Medien kostenlos zur Verfügung gestellt.

Kontakt:
Ass.-Prof. Dr. Iris Gratz Universität Salzburg,
Fachbereich für Molekulare Biologie
Tel: 43-662-8044-5764
iris.gratz@sbg.ac.at
www.uni-salzburg.at/gratz

 

Mag. G. Pfeifer

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Universität Salzburg

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Quelle: Universität Salzburg

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