07.11.2019

Abschiedsfest für Politikwissenschaftlerin Sonja Puntscher Riekmann

Sonja Puntscher Riekmann (65), Professorin für Politische Theorie und Politik der EU an der Universität Salzburg ist diesen Herbst in Pension gegangen. Als Gründerin des europawissenschaftlichen Schwerpunkts, mit ihren Ideen, ihrer Tatkraft, den internationalen Kooperationen und Kontakten hat sie die Universität bedeutend mitgeprägt. Zu ihrem Abschied veranstaltete die Universität am 4. November 2019 eine Feier. In einem Gespräch blickt sie auf Erreichtes zurück und Anstehendes voraus.

Nach 17 Jahren als Professorin für Europäische Politik an der Universität Salzburg fällt Ihnen der Abschied jetzt schwer?  

Ja und nein: ja, denn dies war der wichtigste Teil meines akademischen Lebens, nein, weil das Ende voraussehbar war und jedes Ende auch neue Anfänge ermöglicht.

Worauf freuen Sie sich in der nun gewonnenen Freizeit?

Darauf, in größerer Ruhe über meine Themen neu nachzudenken und zu schreiben.

Worauf sind Sie im Rückblick besonders stolz? Wo haben Sie ihre Ziele nicht ganz erreicht?

Besonders stolz bin ich auf die gelungene Gründung des europawissenschaftlichen Schwerpunktes SCEUS, aber auch auf meine Jahre als Mitglied des Rektorats unter Heinrich Schmidinger. In beiden Bereichen ist viel gelungen, aber es bleiben immer offene Baustellen, die man aus Zeitgründen und auch wegen so mancher Widerstände nicht schließen konnte.

Was ist das Besondere am europawissenschaftlichen Schwerpunkt, den Sie 2007 gegründet haben?

Das SCEUS Salzburg Center of European Union Studies ist eine Erfolgsgeschichte in Forschung und Lehre. Dabei ist zunächst die besondere räumliche Situation hervorzuheben, die wir vor allem Rektor Schmidinger verdanken: die Edmundsburg als Ort der Europawissenschaft hat große Symbolkraft. Wir haben große und mittlere drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte eingeworben, allen voran das Horizon 2020 Projekt EMUchoices, in dem wir mit einem internationalen Konsortium die Präferenzen, Positionen und verfassungsrechtlichen Bedingungen aller 28 Mitgliedstaaten in den Reformdebatten zur Wirtschafts- und Währungsunion in und nach der Eurokrise untersucht haben.

Dieses Projekt hat das SCEUS in der internationalen Forschung etabliert. Wie geht es nach Ihrem Abschied weiter?

Die Thematik wird nun in einem FWF-Projekt meines Nachfolgers Prof. Griller fortgesetzt, während die Kollegen Prof. Huber und Prof. Blauberger eigene große FWF-Projekte akquirieren konnten. Wir haben das interdisziplinäre Masterstudium European Union Studies und ein durch die Schweizer Humerstiftung finanziertes Doktoratskolleg eingeführt und weiterentwickelt.  Aber es bleibt noch viel zu tun. Der Schwerpunkt ist zeitlich begrenzt und muss sich alle fünf Jahre vor einer internationalen Evaluierungskommission bewähren. Bei allem Erfolg hat das SCEUS nach wie vor eine unterkritische Größe, die es schwierig macht, alle europarelevanten Themen auf gleichem Niveau zu behandeln. Vieles wird von künftigen Ressourcen- und Personalentscheidungen abhängen.  

Rechts-, Politik-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler/innen arbeiten im europawissenschaftlichen Schwerpunkt SCEUS zusammen. Klappt die Interdisziplinarität, von der alle reden?

Interdisziplinarität ist das Gebot der Stunde in allen Wissenschaften, aber außerhalb der Naturwissenschaften besonders schwer zu realisieren. Das hat vor allem strukturelle Gründe in den Publikationsbedingungen und in der Notwendigkeit, in der eigenen Disziplin Exzellenz zu erreichen, ohne sich anderen theoretischen und methodischen Zugängen zu verschließen. Diese Herausforderung haben auch wir nur zum Teil bewältigt. Interdisziplinarität ist ein andauerndes Experiment.

Der europawissenschaftliche Schwerpunkt setzt sich mit aktuellen Fragen der europäischen Integration auseinander. Damit steht es ja nicht zum Besten. Stichwort Brexit, Visegrad-Staaten. Wie ist der Befund der Forschung? Sehen Sie Grund zur Hoffnung oder zur Sorge?

Die Forschung analysiert Bedingungen und Möglichkeiten der europäischen Integration. Sie war und ist auch Krisenforschung, denn dieses gewaltige Einigungsprojekt war immer von Fortschritt, Stagnation und Rückschritt geprägt. Forschung ist nicht Wahrsagerei über die Zukunft. Unsere Daten zur Eurokrise zeigen aber, dass entgegen vieler Unkenrufe die EU-Mitgliedstaaten am Euro festhielten und bis dahin unerwartete Maßnahmen zu seiner Rettung setzten. Ebenso erstaunlich ist angesichts des Brexit der Zusammenhalt der EU 27.  

Sie waren auch medial von Beginn an sehr präsent, als gefragte Expertin für EU-Diskussionen. Wie gut, objektiv und verständlich werden die Menschen über die EU informiert? Sollten Wissenschaftler stärker in die Öffentlichkeit gehen?  

Ich habe die öffentliche Präsenz von Wissenschaftlern/innen stets für ihre republikanische Aufgabe gehalten. Dieser Anspruch hat eine Sprache zur Voraussetzung, die komplexe Inhalte verständlich kommuniziert. Wir haben am SCEUS stets versucht, allen Einladungen der Medien, aber auch Schulen und nicht akademischer Bildungseinrichtungen nachzukommen. Meine Kollegin Frau Dr. Wydra hat diese Aufgaben auch an vielen Orten im ländlichen Raum außerhalb von Salzburg erfüllt. 

Auch die Forschungspolitik ist eine Domäne von Ihnen. Sie sind zum Beispiel im Vorstand des Wissenschaftsfonds FWF. Sie hatten sich für die Nachfolge von Rektor Schmidinger beworben. Von 2003 bis 2011 waren Sie Vizerektorin für Internationale Beziehungen und Kommunikation an der Universität Salzburg. Was konnten Sie bewegen? Wo hat es gehapert?

Die ersten beiden Rektorate Schmidinger, denen ich angehörte, haben unter den Bedingungen des UG 2002 von den Bauten bis zur Reorganisation der Lehre, von der Internationalisierung bis zur Einrichtung von Schwerpunkten viel bewegt. Die Öffentlichkeitsarbeit, für die ich verantwortlich war, machte Fortschritte, hatte aber stets Schwierigkeiten die Universität fest im Bewusstsein der regionalen und nationalen Öffentlichkeit zu verankern. Die Ambition meines Teams war es, Salzburg analog zur Festspielstadt zur internationalen Universitätsstadt zu machen. Das ist nicht zuletzt aus Ressourcenmangel nur eingeschränkt gelungen.  

Ich habe mich auch deshalb 2018 auf die Position der Rektorin beworben und ein weitreichendes Konzept vorgelegt, um in den Bereichen Forschung, internationale Kooperationen, Restrukturierung der Fakultäten und Öffentlichkeitsarbeit neue Initiativen zu setzen. Diese Bewerbung war nicht erfolgreich. Vielleicht wollte ich zu viel.

Sie waren eine Zeitlang auch parteipolitisch aktiv für die Grünen, zuletzt 1994 als Mitglied des Österreichischen Parlaments. Wie sehr freut Sie der Aufwind der Grünen und was könnte das Erstarken der Grünen für die Wissenschaft bedeuten?

Natürlich freut mich dieser Erfolg, auch wenn er das Ergebnis der sich verschärfenden Klimakrise ist. Er ist aber zugleich das Ergebnis eines geschärften Problembewusstseins. Für die Wissenschaft bedeutet es sicherlich eine Stärkung.

Ihre Karriere hat Sie in verschiedene Länder und an verschiedene Unis geführt. 1954 in Bozen geboren, Germanistik-Studium und Post-Graduate-Studium der Politikwissenschaft in Wien, Habilitation in Politikwissenschaft in Innsbruck, Gastprofessur an der Humboldt Universität in Berlin, Direktorin des Instituts für Europäische Integrationsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, ab 2002 Professur in Salzburg. Dazu zahlreiche Positionen wie Aufsichtsratmitglied im FWF, Vizepräsidentin des Europäischen Forums Alpbach uvm. Ist die Flexibilität, die bei Wissenschaftler/innen vorausgesetzt wird, mehr Freud oder Leid?

Diese Flexibilität ist heute unabdingbar und bedarf permanenter Anstrengungen und Anpassungen im Privatleben, aber in Summe ist es mehr Freud als Leid. Wissenschaftler/innen haben das Privileg, sich weitgehend unentfremdeter, spannungsreicher Arbeit zu widmen. Gibt es Schöneres als seiner Neugier zu frönen?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Uni Salzburg?

Die Fähigkeit, sich in der nationalen und internationalen Konkurrenz zu bewähren, große Forschungsoffensiven zu relevanten Themen zu lancieren und vielen jungen Menschen einen Ort der Bildung zu bieten, der ihre Lebens- und Karrierechancen erweitert. Ich bin sicher, dass diese Wünsche auch solche des neuen Rektorats sind. 

Fotonachweis: Kolarik

Mag. G. Pfeifer

PR-Leitung

Universität Salzburg

Kapitelgasse

Tel: 8044-2435

E-Mail an Mag. G. Pfeifer

  • ENGLISH English
  • News
    Die Österreichische Forschungsgemeinschaft, getragen von Bund und Ländern, gibt sowohl der Wissenschaftsförderung als auch der Wissenschaftspolitik in Österreich neue Impulse und dient der Zukunftsorientierung und Qualitätssicherung von Forschung und Lehre in Österreich.
    Assoc.Prof. Dr. Kerstin Hödlmoser vom Centre for Cognitive Neuroscience wurde am 16. November der Kardinal-Innitzer-Förderungspreis für ihre Habilitation „Functional Impact of Sleep on Declarative and Motor memory over the Lifespan“ verliehen.
    Materialchemiker Dipl.-Ing. Miralem Salihovic vom Fachbereich Chemie und Physik der Materialien erhält für die Fortführung seiner Dissertation ein DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
    Als Mitglied des Netzwerks UniKid-UniCare Austria forciert auch die Universität Salzburg die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie: Mit einem Kurzfilm der KabarettistInnen Kaufmann & Herberstein geht das Netzwerk augenzwinkernd neue Wege.
    Die Tagung wird organisiert vom Österreichischen Institut für Menschenrechte und findet in der Edmundsburg am Mönchsberg, Europasaal, 16 bis 19 Uhr, statt. Eintritt frei! Anmeldung erforderlich unter menschenrechte@sbg.ac.at.
    Die SchülerUNI "Hormone & Gehirn: Wie arbeiten sie zusammen?" stieß auf großes Interesse. Das Team rund um DDr. Belinda Pletzer vom Centre for Cognitive Neuroscience (CCNS) gab Einblick in den Forschungsalltag.
    Johann Scheutz und Stephan Elspass, beide Germanisten, referieren am MO 25.11. in der Panoramabar in Lehen darüber, wie sich die gesprochene und geschriebene Sprache in Österreich verändern.
    Bühne frei für Ideen und Projekte, die Studierenden an der Uni Salzburg am Herzen liegen! Eine Vernetzungsangelegenheit der besonderen Art bietet jetzt das Career Center am 25.11.2019 beim Fair & Creative Matching Event.
    Im Rahmen der Vortragsreihe Geschichte im Gespräch sowie der Vorlesung "Grundlagen der Mittelalterlichen Geschichte (Christina Antenhofer)" hält Thorsten Hiltmann (Münster) am 26. November 2019 um 09 Uhr im HS 380 einen Vortrag zum Thema Mittelalterliche Heraldik zwischen Kulturgeschichte und neuen digitalen Methoden
    Der Fachbereich Slawistik möchte Sie zusammen mit dem Kulturzentrum DAS KINO sehr herzlich zum vierten Teil unserer erfolgreichen Kinoreihe der ost- und mittelosteuropäischen Filme einladen. Im Rahmen des Filmklubs „Slawistyka, Slavistika, Cлавистика“ werden preisgekrönte aktuelle polnische, russische und tschechische Filme mit gesellschaftlicher und politischer Thematik gezeigt.
    28. bis 30. November 2019 - Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, Abteilung Musik- und Tanzwissenschaft, Tanzstudio, Raum 2.105, 2. OG
    Am 29. November 2019 findet die Tagung "Verantwortlichkeit digitalisierter Unternehmen" an der Universität Salzburg statt. Der Fokus liegt dabei auf den ethischen und rechtlichen Auswirkungen des Einsatzes künstlicher Intelligenz.
    Am Freitag, den 29.11.2019, findet im Haus der Natur in Salzburg das 13. Jahrestreffen vom Network of Biological Systematics (NOBIS) Austria statt. Assoz.-Prof. Dr. Sabine Agatha, Einzellerforscherin am Fachbereich für Biowissenschaften der Universität Salzburg, ist Präsidentin der Gesellschaft und Mitorganisatorin des diesjährigen Meetings.
    Am MO 2.12. findet im Unipark Nonntal ein Empfang anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL) statt. Die Begrüßungsworte spricht Rektor der Universität Salzburg Prof. Dr. Dr. h.c. Hendrik Lehnert.
    Elektroakustische Musik mit Sounddesigner Martin Löcker (a.k.a. Murmler) gibt es am Dienstag, 3. Dezember 2019, 19.30 Uhr, Fünfzigzwanzig (Residenzplatz 10, 2. OG, 5020 Salzburg).
    Unter dem Motto "Wage den Blick über den Tellerrand" sind Studierende aller Fakultäten herzlich eingeladen, sich am 5. Dezember im Unipark über die interdisziplinären Studienergänzungen an der Uni Salzburg zu informieren und sich beraten zu lassen.
    Der Fachbereich Linguistik ist Veranstalter der 45. Österreichische Linguistiktagung, die am 6. und 7.12.19 im Unipark Nonntal stattfindet.
  • Veranstaltungen
  • 23.11.19 W&K-Forum: Dafür-Sein als Widerständigkeit
    25.11.19 MATCHING EVENT "FAIR & CREATIVE"
    25.11.19 Klever Dance Company beim Dialoge Festival: Tanztheater im Dialog mit der Gesellschaft
    26.11.19 Geschichte im Gespräch
    28.11.19 Fatigue Influence on Inhibitory Control
    28.11.19 Salzburger Museen und Sammlungen - Geschichte vor Ort. Von der Schuhschachtel zum Archiv. Archivieren und Restaurieren in Salzburger Museen und Sammlungen
    29.11.19 Verantwortlichkeit digitalisierter Unternehmen
  • Alumni Club
  • PRESSE
  • Uni-Shop
  • VERANSTALTUNGSRÄUME
  • STELLENMARKT
  • Facebook-Auftritt der Universität Salzburg Twitter-Auftritt der Universität Salzburg Instagram-Auftritt der Universität Salzburg Flickr-Auftritt der Universität Salzburg Vimeo-Auftritt der Universität Salzburg